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Nachdem Linus im vergangenen Jahr von Karussellen eigentlich nicht mehr wegzubekommen war, hat er nach der Reizüberflutung beim Rudolstädter Vogelschießen scheinbar eine Karussell-Phobie entwickelt, die aber immer erst anfängt, wenn wir schon einen Chip gekauft haben. So auch auf dem Jenaer Altstadtfest, wo Linus als das Karussell gerade losfahren wollte, so einen Nervenzusammenbruch gekriegt, dass das Fahrgeschäft noch einmal angehalten wurde. Da Chips von der Rückgabe ausgeschlossen sind, werden wir wohl in Kürze die weltgrößte Karussell-Chips-Sammlung besitzen.
Dieser Monat stand ganz im Zeichen unseres großen Umzugs nach Schwäbisch Gmünd. Alles musste in Kisten verpackt werden. Besonders mit Linus Spielzeug war das natürlich schwer, weil er es noch mindestens hundert Mal herausholte. Der Abschied von Pauline war besonders traurig, aber auch niedlich, weil die Kinder noch mal wirklich schön miteinander gespielt haben und dann Hand in Hand zum Spielplatz gelaufen sind. Den Abschied aus dem Kindergarten hat Linus relativ emotionslos hingenommen und so hat er auch als wir dann in Schwäbisch Gmünd waren gar nicht mehr danach gefragt. Seine liebste morgendliche Frage war ja sowieso immer: MUSS ICH HEUTE NICHT IN DEN KINDERGARTEN?
Am Umzugstag durfte unser großer Linus tatsächlich mal im LKW sitzen, worauf er sich schon die ganze Zeit gefreut hatte, dann gingen die Ela und die Ria mit ihm im Regen noch ein bisschen auf den Spielplatz und beschäftigten ihn, bevor wir erst noch einmal nach Rottenbach fuhren und noch diverse Tage von früh bis spät unsere alte Wohnung pinselten. Wie furchtbar auf einmal die Schrägen und die vielen Balken und Ecken waren.
Schwäbisch Gmünd zu entdecken ist besonders für Linus spannend. Es gibt eine ganze Menge interessanter Spielplätze, die mal mehr, mal weniger kindersicher sind. (Im Vergleich zu Jena herrscht hier spielplatztechnisch dunkelste Nacht.) Aber wir können den Spielplatz, auf dem Linus nach einer Minute mit einer Scherbe in der Hand zu uns angerannt kam und rief: GUCKT MAL WAS ICH GEFUNDEN HABE, ja meiden.
Sehr toll fand Linus unseren ersten Besuch beim Bio-Bauern, weil ihm die Wurstverkäuferin ein großes Päckchen mit Wurstscheiben in die Hand gedrückt hat, die Linus natürlich genüßlich verspeiste. Selbstverständlich fragte er dann täglich nach, wann wir den wieder zum Bio-Bauern gehen, obwohl er dort auch ein bisschen enttäuscht war, weil er doch gern den Bauern höchstpersönlich und nicht nur seine Verkäuferin gesehen hätte.
Wenn Linus weil ich ihm etwas verbiete auf mich sauer ist, nennt er mich jetzt immer MAMA OLE EINAR. Das hat man nun davon, wenn man sein Kind beim Schimpfen immer mit all seinen Vornamen anredet.
Und immernoch zitiert Linus seine Bücher. Manchmal aber wandelt er den Text auch etwas theatralisch ab. Er ist halt ein großer Dramatiker. Heute rannte er mit der Teddy-Fingerpuppe hinter Tobias her und sagte mit Gruselstimme: ICH BIN DER PIRAT DER SCHLIMMSTE VON ALLEN UND ICH HABE HUNGER ICH WILL
DICH FRESSEN WILL PAPA MIT POMMES ZUM ABENDESSEN.